Ukrainischer Gottesdienst in Wädenswil

 

In Wädenswil gibt es neu einen Gottesdienst für Menschen aus der Ukraine. Die Freude ist gross! Bei Lobpreis, Predigt, Gebet und Gemeinschaft wird in der Herzenssprache der Ukrainer gesungen und gesprochen.

Das Interview führt Christoph Schum, Missionsleiter Formation 21C.

Felipe, Du bist aus Kolumbien in die Schweiz eingewandert. Nun baust du ein ukrainisches Team auf, welches einen Gottesdienst für seine Landsleute leitet. Das ist sprachlich und kulturell eine Herausforderung. Warum nimmst du diese Arbeit auf dich?

Menschen aus der Ukraine sind Ausländer, genau wie ich. Deshalb kann ich teilweise ihr Herz und ihre Bedürfnisse verstehen, wenn sie in einem fremden Land leben, die Sprache nicht sprechen, die Kultur nicht immer verstehen und trotzdem Jesus suchen. Diese Erfahrung habe ich ebenfalls gemacht. Deshalb möchte ich eine Plattform und einen Raum schaffen, wo sie Jesus in ihrer eigenen Sprache und in ihrem kulturellen Kontext begegnen können. Ich glaube, das ist sehr wichtig. Es geht nicht darum, sich nicht zu integrieren, sondern darum, dass die erste Begegnung mit Jesus das Herz in ihrer eigenen Sprache erreichen kann.

Zweitens spricht die Bibel vom grossen Auftrag: dass jede Zunge und jede Nation Jesus Christus anbeten wird. Ich möchte Teil davon sein. Mein Wunsch ist es, Menschen aus allen Kulturen in der Gegenwart Gottes zu sehen. Über die sprachliche Herausforderung hinaus versuchen wir, die Sprache Jesu zu leben: lieben und dienen.

Wie waren die ersten Gottesdienste?

Den Aufwand auf uns zu nehmen, hat sich gelohnt. Im ersten Gottesdienst nahmen viele neue Besucher teil und es gab eine Atmosphäre voller Freude.

In den letzten zwei Jahren war ich mit Menschen aus der Ukraine in Gruppen unterwegs. Wir haben sie auch in schweizerische Gottesdienste eingeladen. Leider können sie sich dort nicht voll einbringen oder mitsingen, einfach weil sie die Sprache zu wenig verstehen. Sie haben Sehnsucht, in ihrer Herzenssprache Gott anzubeten. Ein ukrainischer Gottesdienst , der ihrem Herz entspricht, ist etwas sehr Besonderes.

Unser erster Gottesdienst brachte genau das hervor: fröhliche Gesichter, Menschen voller Freude und Hunger nach mehr von Jesus Christus. Gott hat in den Herzen gewirkt. Für mich ist das bereits ein grosser Erfolg. Auch die Reflexionen mit dem ukrainischen Team haben uns ermutigt. Insgesamt war es ein guter Start und mein Wunsch ist es, dass mehr Menschen kommen und immer tiefer in ihre Beziehung zu unserem Erlöser hineinwachsen.

Was sind die grössten Herausforderungen?

Eine der grössten Herausforderungen sind die unterschiedlichen Sprachen. In der Praxis gibt es jedoch oft eine gemeinsame Drittsprache wie Englisch. Ausserdem helfen uns technische Übersetzungstools, diese Barriere zu überwinden. Die verschiedenen Kulturen stellen für uns, nebst der Sprache, die grössten Herausforderungen dar.

Ich lebe seit 11 Jahren in der Schweiz und habe gelernt, auf eine schweizerisch geprägte Weise zu arbeiten, zu organisieren und zu planen, ohne meine lateinamerikanische Spontaneität zu verlieren. Die ukrainische Kultur ist noch einmal ganz anders. Die Herausforderung besteht darin, ihre Art zu verstehen, ihre Werte und Arbeitsweisen zu erkennen und einen gemeinsamen Weg zwischen diesen Realitäten zu finden.

Zum Beispiel gibt es Bereiche, in denen sie sehr flexibel und spontan sind, was eine Stärke sein kann. Gleichzeitig aber leben wir in der Schweiz, wo Ordnung, Struktur und Pünktlichkeit ebenfalls wichtig sind.

Die Herausforderung liegt im Gleichgewicht: In der Schweiz zu leben bedeutet, die lokalen Werte zu respektieren. Gleichzeitig soll die ukrainische Kultur integriert und geehrt werden, um eine gemeinsame Arbeitsweise zu entwickeln.

Arbeitet ihr mit einer Schweizer Kirche zusammen?

Ja, wir arbeiten mit drei Kirchen zusammen. Ich bin Teil der ETG Au. An diesem Projekt beteiligen sich auch die Heilsarmee Wädenswil und die Oberdorf Kirche Wädenswil, die uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Wie kann eine Kirche selbstständig einen Gottesdienst für Menschen aus der Ukraine anbieten und gestalten?

Die schweizerischen Kirchen lieben es, Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Ich möchte diese Frage jedoch weniger strategisch beantworten, sondern mehr aus meiner Erfahrung und dem, was Menschen aus fremden Kulturen wahrnehmen.

Wenn eine Aktivität ohne echte Liebe oder ohne ehrliches Interesse an den Menschen organsiert wird, merken die Gäste dies sofort. Am Anfang nehmen sie vielleicht teil, aber mit der Zeit ziehen sie sich zurück. Der Schlüssel liegt in einer Haltung des Dienens: Der ehrliche Wunsch, Beziehungen aufzubauen, ihre Geschichte kennen zu lernen und ihnen zuzuhören, macht den Unterschied. Genau das brauchen die Menschen.

Wenn diese Grundlage von Beziehung und Vertrauen heranwächst, entwickeln sich Projekte, Strukturen und Aktivitäten oft ganz natürlich als Konsequenz.

Felipe, herzlichen Dank für deine Offenheit.

Der Gottesdienst findet an jedem zweiten Sonntag im Monat statt, jeweils 10:15 im Freihuus, Oberdorfstrasse 39 in Wädenswil. Zum Flyer 

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